Fasten

Fasten und andere Kuren erfreuen sich größter Beliebtheit. Ebenso facettenreich wie die individuellen Motive für die freiwillige Askese, sind Strömungen und Philosophien des Fastens.

Viele wenden sich aus religiösen Beweggründen dem Entsagen zu. Manchmal ist es das Verlangen nach Spiritualität, das Sichbesinnen auf Wesentliches oder schlicht das Bedürfnis einer Auszeit. Besonders häufig stehen gesundheitliche Motive im Vordergrund.

Man möchte dem Körper etwas Gutes tun, gesundheitliche Beschwerden verringern, den Organismus entgiften oder dem Altern entgegenwirken.  So wird u.a. angepriesen, dass Fastenkuren diversen Stoffwechsel-erkrankungen vorbeugen, gegen chronische Erkrankungen wie z.B. Rheuma wirken sollen und gut für Herz und Kreislauf seien.

Nicht zuletzt ist Fasten gerne Anlass einer angestrebten Gewichtsreduktion. Insbesondere der Begriff des „Entschlackens“ fällt häufig in Zusammenhang mit Fastenkuren.

Hochgesteckt sind die Erwartungen an das Fasten – doch was darf man sich aus gesundheitlicher Sicht tatsächlich vom Fasten erhoffen?

Wenn der Körper hungert

Fasten versetzt den Körper in eine Ausnahmesituation: Wird keine Nahrung aufgenommen, müssen gewohnte Abläufe und Vorgänge umgestellt werden. Der Körper muss sozusagen auf „Plan B“ umschalten, er läuft im Hungerstoffwechsel.

Bestimmte Strukturen und Organe, vor allem Gehirn und Herz müssen „notversorgt“ werden. Da unzureichend bzw. keine Nährstoffe aufgenommen werden, wird auf Reserven zurückgegriffen dabei werden allerdings nicht nur Fettdepots mobilisiert.

Die Kohlenhydratspeicher des Körpers in Leber und Muskulatur sind nach relativ kurzer Zeit des Fastens aufgebraucht. Schon bald beginnt der Körper unter Hunger, körpereigene Proteine, insbesondere Muskelgewebe abzubauen. Umwandlungsprozesse in der Leber stellen daraus wieder Glukose her. Das ist unbedingt erforderlich, da die roten Blutkörperchen, das zentrale Nervensystem, das Gehirn sowie das Nierenmark besonders auf Glukose angewiesen sind.

In besonderen Notsituationen kann das Gehirn auch sogenannte Ketonkörper als Energiewährung verbrennen. Diese fallen nach längerer Hungerepisode als Nebenprodukt der Fettverbrennung an. Diese Ketonkörper können beim Fasten zum typischen „Azetongeruch“ der Atemluft führen. Eine zu hohe Konzentration an Ketonkörper kann zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration sowie zu Stoffwechselentgleisungen führen.

Der Hungerstoffwechsel verringert die Muskelmasse, wodurch der Grundumsatz sinkt, d.h. der Körper verbrennt in Folge auch in Ruhe deutlich weniger Kalorien. Verstärkt wird dieser Effekt durch hormonelle Veränderungen unter längerem Fasten, wie z.B. Veränderungen im Stoffwechsel der Schilddrüse. Der niedrigere Grundumsatz ist auch für den sogenannten Jo-Jo-Effekt nach Diäten verantwortlich.

Hinweis: Gewichtsabnahmen, die sich gerade zu Beginn einer Fastenkur bemerkbar machen, kommen vom Verlust an Flüssigkeit sowie dem Muskelabbau.

Wen DU eine Fastenkur antreten möchtest, solltest DU dies nur unter ärztliche Kontrolle machen, da Fasten gesundheitliche Risiken nach sich ziehen kann (z.B. Herzrhythmusstörungen, Azidose, Gichtanfall). Bereits vor der Fastenkur solltest DU  deine Ärztin/deinen Arzt kontaktieren, um abzuklären, ob aus medizinischer Sicht Einwände bestehen. Während des Fastens sollten bestimmte Parameter (z.B. Blutdruck, Herzfrequenz, Urin) beobachtet werden, um bei drohenden Komplikationen rechtzeitig gegensteuern zu können.

 

Mögliche Gefahren des Fastens

Vorsicht ist insbesondere bei Fastenhilfsmittel wie z.B. Einläufen, Abführ- oder Entwässerungsmittel, Bittersalzen etc. angebracht. Dadurch kann es zu Störungen des Mineralstoffhaushalts kommen, wodurch Nieren- und Darmfunktion beeinträchtigt werden. Auch die Darmflora, wichtige Bakterien im menschlichen Darm, kann gestört werden.

 

Mögliche Folgen und Gefahren des Hungerstoffwechsels:

  • unzureichende Versorgung mit Nährstoffen (u.a. Eiweiße, Fettsäuren),
  • Abbau körpereigener Eiweiße (vorwiegend aus dem Muskel),
  • hormonelle Veränderungen (z.B. Schilddrüsenhormone),
  • Verringerung des Grundumsatzes (Kalorienbedarf in Ruhe),
  • Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt (Mineralien),
  • Anstieg freier Fettsäuren und Ketonkörper,
  • gestiegene Harnsäurekonzentration (Risiko Gichtanfall),
  • Sehstörungen,
  • Kreislaufstörungen, Schwindel, Erbrechen,
  • verminderte Leistungsfähigkeit,
  • Herzrhythmusstörungen.

 

 

Formen des Fastens

Schroth-Kur

Feuchte Wickel und eine eingeschränkte Nahrungszufuhr (salz- und fettlos, eiweißarm: trockene Semmeln, Zwieback, Grieß, Reis, Hafer, Gemüse) sollen den Körper „entgiften“. Bei der Schroth-Kur wechseln sich Trocken- mit großen und kleinen Trinktagen ab. Der Trockentag besteht aus einem Glas Flüssigkeit, an den kleinen Trinktagen darf 0,5 Liter Flüssigkeit, an den großen ein Liter Flüssigkeit getrunken werden. Kurgetränke können Mineralwasser, Tee, Saft oder Kurwein sein. 

Intervallfasten

Auch bekannt unter den Begriffen „intermittierendes Fasten“, „periodisches Fasten“, „alternate day fasting“, „10 in 2“ oder „5 zu 2“. Dabei wird an einem oder mehreren Tagen der Woche gefastet, erlaubt sind Getränke wie z.B. Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch. An den anderen Tagen darf nach Lust & Laune gegessen werden. Schlechte Ernährungsgewohnheiten werden durch Intervallfasten allerdings nicht geändert bzw. kompensiert. 

Entgiftungsdiäten (Detox)

Gemieden werden bei dieser Fastenart unterschiedliche Nahrungsmittel oder -bestandteile wie Zucker, Gluten, Hefe oder Weißmehl etc. Der Körper soll so unterstützt werden, Substanzen wie z.B. Alkohol, Medikamente oder Umweltgifte zu eliminieren. 

Basenfasten

Dieser Fastentrend beruht auf der Annahme, dass saure bzw. säurebildende Nahrungsmittel im Körper zu einer Übersäuerung führen, die u.a. chronische Entzündungen begünstigen sollen. Erlaubt sind nur jene Nahrungsmittel, die basisch bzw. basenbildend sind. Ergänzend zur Diät werden basenfördernde Stoffe, zumeist in Form von Nahrungsergänzungsmitteln.

 

Fasten zur Gewichtsreduktion

Um das Körpergewicht nachhaltig zu normalisieren und die Gefahr des Jo-Jo-Effekts zu vermeiden, empfehlen Ernährungsgesellschaften eine langfristige Ernährungsumstellung in Kombination mit ausreichend Bewegung.

Die Ernährung sollte sich an der Ernährungspyramide orientieren, die eine Hilfestellung zur praktischen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung darstellt. Zu einem gesunden Lebensstil gehört auch ausreichend körperliche Bewegung: Empfohlen werden für Erwachsene mindestens 2,5 Stunden pro Woche bei mittlerer Intensität.

Dient eine Fastenkur als Einstieg in eine gesundheitsorientierte, langfristige Ernährungs- und Lebensstilmodifikation, kann sie durchaus als positiv betrachtet werden.

 

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